22
Nov
2013

Wintereinbruch? - Wetter- und Naturereignisse weltweit

Nachdem der Wintereinbruch in Deutschland doch schwächer als erwartet ausgefallen ist, möchte ich heute über den deutschen Tellerrand hinweg schauen und mich auf die Suche nach Natur- bzw. Wetterereignissen machen. Vorab jedoch ein kurzer Rückblick auf den Wintereinbruch "light".

Die Niederschläge und somit auch die Schneemengen fielen in den vergangenen beiden Tagen über Deutschland geringer als erwartet aus. Eine geschlossene Schneedecke konnte sich nur in den höheren Lagen des Berglandes oberhalb von 600 bis 700 m ausbilden. Die Schneehöhen haben sich im Vergleich zum Mittwochmorgen (vgl. Thema des Tages vom 20.11.2013) jedoch nur unwesentlich vergrößert. Im Schwarzwald auf dem Feldberg liegen nun 28 cm. Auf dem Brocken wurden am Freitagmorgen nach einem Zuwachs von 10 cm insgesamt 25 cm gemeldet. Im Bereich der Rhön (Wasserkuppe) und des Thüringer Waldes (Neuhaus, Schmücke) sind es immerhin noch um 14 cm Schnee. Ansonsten konnte sich kaum eine Schneedecke ausbilden. Vom Kahlen Asten über den Vogelsberg und den Feldberg im Taunus bis in die Schwäbische Alb (Klippeneck) sind nur wenige Zentimeter gefallen. Im Bayerischen Wald, dem Erzgebirge und an den Alpen blieb es sogar vielfach grün. Das wird sich nun jedoch ändern. Bis Montagabend sollen in diesen Regionen stärkere Niederschläge aufkommen, die zumindest bis in mittlere Lagen als Schnee fallen. In Staulagen können dann über 20 cm Schnee zusammen kommen.

Doch im Vergleich zu anderen schwerwiegenderen Natur- und Wetterereignissen auf der Welt können wir uns in Deutschland doch glücklich schätzen.

Im Indischen Ozean entwickelte sich der tropischer Sturm "Helen", der sich über den Golf von Bengalen auf den Weg zum indischen Festland macht. Am heutigen Freitag trifft er mit Windgeschwindigkeiten von über 120 km/h auf die Küste zwischen "Nellore" und "Machillipatnam". Der indische Wetterdienst erwartet starke Schäden an Häusern und Infrastruktur. Als Vorsichtsmaßnahme wurden mehrere Tausend Menschen evakuiert.

Auch im Nordwesten Australiens bereitet man sich auf den ersten Zyklon der Saison vor. Südlich von Java konnte sich ein tropisches Tief ausbilden. Durch seine weitere Intensivierung auf dem Weg nach Osten wird mit einer Hochstufung zu einem Zyklon gerechnet. Am Samstagmorgen soll das System schließlich die Küstenregion um "Kimberley" erreichen.

In Amerika und dort speziell im Mittleren Westen müssen die Menschen in diesem Jahr mit einer ausgeprägten und außergewöhnlich langen Sturmsaison leben. Schwere kleinräumige Wirbelstürme (Tornados) sind für diese Region nicht ungewöhnlich, jedoch treten sie normalerweise nicht in der kalten Jahreszeit auf und wenn, dann nicht so gehäuft. Gerade in den letzten Tagen entwickelten sich wieder zahlreiche starke Gewitterlinien im Bereich von Kentucky, Illinois, Indiana, Michigan, Missouri, Ohio und Wisconsin. Insgesamt wurden laut ABC News 81 Tornados gezählt, die mit ihrer zerstörerischen Kraft zahlreiche Ortschaften verwüsteten. Dabei starben mindestens acht Menschen. Auch am heutigen Freitag muss an durchziehenden Gewitterlinien wieder vereinzelt mit Tornados gerechnet werden.

Im Mittelmeerraum ist es der Niederschlag, der die Menschen beschäftigt. Durch ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet mit einem seiner Zentren im Bereich von Korsika wird immer wieder feuchte und auch noch recht warme Luft nach Italien und in die Balkanregion geführt. Dort kommt es bei starker und hoch reichender Bewölkung zu Gewittern und länger anhaltendem Regen. Dabei können dort bis Sonntagmorgen verbreitet zwischen 20 und 100 Liter pro Quadratmeter fallen. Im höheren Bergland schneit es, wobei teilweise über ein halber Meter Schnee erwartet wird.

Im Vergleich dazu ist die Wetterlage in Deutschland doch wesentlich ruhiger und es steht uns ein frühwinterliches Wochenende mit sogar zeitweiligem Sonnenschein bevor.

Ein gefährliches Naturschauspiel ganz anderer Art ereignet sich gerade auf Sizilien und in Indonesien, wo Vulkane ausbrachen. Auf Sizilien brodelt seit über einer Woche der Ätna. Er spuckt Rauch und Asche in rauen Mengen aus, sodass dies noch von Satelliten eingefangen werden kann. Menschen sind am Ätna jedoch vorerst nicht in Gefahr. In Indonesien sieht das etwas anders aus. Dort wurden durch den Ausbruch des Sinabung im Norden der Insel Sumatra 5500 Menschen in die Flucht getrieben. Die Aschewolke reicht bis in 8000 m Höhe. Am Montag folgte dann auch noch der Ausbruch des Vulkans Merapi.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.11.2013

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