25
Nov
2013

Komet ISON

Nachdem man im Frühjahr bereits Komet PANSTARRS mit bloßem Auge beobachten konnte, könnte uns ab Anfang Dezember ein neues seltenes und eventuell auch spektakuläres Himmelsereignis erwarten. Denn derzeit rast der Komet C2012/S1 ISON auf die Sonne zu.

Kometen oder auch Schweifsterne sind Himmelskörper, die zu einem Großteil aus Eis und Staub bestehen und sich in einer Umlaufbahn um die Sonne befinden. Der Ursprungsort von Kometen liegt im Kuipergürtel oder in der Oortschen Wolke, am Rande des Sonnensystems jenseits der Neptunbahn. Dies sind Bereiche des Sonnensystems, die besonders kalt sind. Somit gefrieren dort die Wasserstoffverbindungen, die sich nach der Entstehung des Sonnensystems in diesen Regionen angesammelt haben, zu Eis. Ab und zu werden solche Eisbrocken aus der Bahn gerissen und bewegen sich Richtung inneres Sonnensystem. In Sonnennähe erwärmen sich die Kometen, wodurch das Eis sublimiert (also direkt in Wasserdampf übergeht). Dadurch entsteht eine Hülle aus Gas und Staub (die Koma), die vom Sonnenwind weg getragen wird, wodurch sich der für Kometen typische Schweif bildet.

In den vergangenen Wochen konnte man ISON bereits kurz vor Sonnenaufgang am Osthorizont mit dem Fernglas oder einem Teleskop sehen. Doch vielerorts machten dichte Wolken und Hochnebel eine Beobachtung unmöglich. Derzeit lässt sich ISON zunächst erst mal nicht mehr blicken, denn in den nächsten Tagen umrundet er die Sonne.

Doch was macht ISON so besonders? Komet ISON kommt der Sonne in den nächsten Tagen sehr nahe, wodurch sehr viel Eis sublimiert und der Komet einen regelrechten Helligkeitsausbruch erfährt. Zurzeit ist allerdings noch nicht sicher, ob der Komet die Umrundung der Sonne unbeschadet übersteht, oder ob sein Kern dabei zerbricht. In den letzten Tagen hat er bereits Bruchstücke seines Kerns verloren. Sollte ISON die Sonne unbeschadet umrunden, so kommt er der Erde in weiterer Folge relativ nahe (für die Erde besteht dabei jedoch keine Gefahr.) Je nachdem wie viel Masse ISON verliert, könnte ISON ab Anfang Dezember zu einem sehr hellen Kometen werden, der heller leuchtet als jeder Stern am Nachthimmel. Die besten Beobachtungsbedingungen bestehen vom 3. bis 14. Dezember vor Sonnenaufgang.

Es bleibt also spannend und viele Sternegucker werden auf klare Nächte hoffen. Diese sind derzeit aber eher selten. Denn selbst bei Hochdruckeinfluss bildet sich zu dieser Jahreszeit häufig hartnäckiger Hochnebel. Die ideale Wetterlage wäre eine sogenannte antizyklonale Nordostlage, bei der bei uns überwiegend Hochdruckeinfluss herrscht und kalte und sehr trockene sibirische Kaltluft zu uns geführt wird. In dieser trockenen Kaltluft werden die Nächte besonders klar. Zwar sind mittelfristige Wetterprognosen über 1 Woche im Voraus sehr ungenau, dennoch geht der Trend für Anfang Dezember eher in Richtung nasskaltes und trübes Wetter. Des Weiteren kommen solche antizyklonalen Ostlagen Anfang Dezember statistisch gesehen nicht so häufig vor.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.11.2013

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