27
Nov
2013

Der Winter ist da

Wer am heutigen Mittwochmorgen die Warnlageberichte des Deutschen Wetterdienstes gelesen hat (zu finden unter www.wettergefahren.de für Gesamtdeutschland oder die Region Ihrer Wahl), oder wer einen Blick aufs Thermometer oder auch nur die Wetter-App im Smartphone geworfen hat, dem ist sicher klar geworden: Der Winter ist da! Nur im Norden und Westen Deutschlands tut er sich alter meteorologischer Tradition folgend aufgrund der Nähe zu den "warmen" Meeren noch etwas schwer.

Manch einer ist natürlich mal wieder vom Winter überrascht - Sie begegnen diesen Zeitgenossen überall: In der Nachbarschaft, in der Morgensendung im Radio und natürlich im Straßenverkehr. Dabei sind die Zeichen schon seit langem nicht mehr zu übersehen: Die Lebkuchen im Supermarkt sind schon fast vergriffen und die Buden der Weihnachtsmärkte schießen seit Wochen wie Pilze aus dem Boden. Der meteorologische Winterbeginn sowie der erste Advent stehen am kommenden Sonntag im Kalender und wir Meteorologen reden seit einer Woche von nichts anderem mehr.

Und für unsere Zunft ist vor allem im Warndienst in diesen Tagen wieder einiges zu tun, so gab es heute früh schon fast die gesamte Palette winterlicher Warnereignisse, wenn auch noch in sehr gemäßigter Ausprägung:

Strengen Frost gab es an und in den Alpen sowie von Franken bis zum Erzgebirge. Die Tiefstwerte lagen zum Bespiel bei:

-15,0 Grad C in Leutkirch-Herlazhofen (Württembergisches Allgäu, 671 m) -14,9 Grad C in Deutschneudorf-Brüderwiese (Erzgebirge, 688 m) -14,9 Grad C in Oberstdorf (Allgäuer Alpen, 810 m)

Dagegen war es auf der Insel Helgoland (4 m) vergleichsweise warm mit +7,7 Grad C.

Begleitet wurden die tiefen Temperaturen von weiteren Winterphänomenen: Schneefall und Glätte.

Leichter Schneefall war stellenweise am Alpenrand zu verzeichnen, teils aber auch in der Mitte Deutschlands, wie zum Beispiel unweit unserer DWD-Zentrale in Offenbach. Dort hat es aus Nebel und Hochnebel heraus geschneit und in einigen Straßen hat sich eine dünne Schneedecke aus "Industrieschnee" gebildet. Letzterer ist besonders schwierig vorherzusagen und tritt meist auch nur sehr kleinräumig auf, konnte aber in der Vergangenheit schon in so mancher schneeunerfahrenen Stadtregion für beste Wintersportbedingungen auf dem Rodelhügel sorgen.

Glätte und Glatteis: Die Entstehung dieser Phänomene wurde in den vergangen Tagen schon im "Thema des Tages" beschrieben. Heute kam neben den obligatorischen Glätteursachen Reif, überfrierende Nässe und Schnee auch noch der gefrierende Regen dazu. Dieser war zwar nicht sehr stark, dennoch ist in einem Streifen vom Sauerland bis zur Ostsee heute früh stellenweise Glatteis auf den Straßen entstanden. Für heute und morgen steht weiterer gefrierender Regen an. Er breitet sich sehr langsam südwärts aus, aber die Gefahr lässt heute tagsgangbedingt erst einmal nach. In der kommenden Nacht ist dann vor allem der Mittelgebirgsraum wieder gefährdet. Nach Süden und Osten zu sollte aber Schneefall dominieren. Und die nächste Portion Schnee steht schon vor der Tür und dürfte sich ab der Nacht zum Samstag zunächst in den Mittelgebirgen und später auch im Süden Deutschlands abladen.

Verschont wurden wir in dieser Wintersaison bisher noch von Schneeverwehungen und starkem Tauwetter, aber diese Ereignisse werden uns in den kommenden Wochen wohl nicht erspart bleiben.

Mit diesen Aussichten wünsche ich Ihnen einen schönen Winter, wenn Sie ihn mögen, und wenn nicht: Halten Sie durch und machen Sie das Beste draus, der nächste Frühling kommt bestimmt.

Dipl.-Met. Peter Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.11.2013

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