05
Dec
2013

XAVER ante portas

Bei uns in Mitteleuropa ist im Allgemeinen das Winterhalbjahr die "Sturmsaison". Bereits im Spätherbst hat sich in den Polargebieten ausreichend kalte Luft angesammelt, die beim Aufeinandertreffen mit milden atlantischen Luftmassen an der sog. Polarfront Sturmtiefentwicklungen bewirken kann. Ihre Kraft beziehen derartige Sturmzyklonen aus der potentiellen Energie der unter relativ hohem Druck stehenden Warmlauft.

XAVER, das nach CHRISTIAN (Ende Oktober) zweite "Orkantief der Saison" entstand gestern im Seegebiet südöstlich von Grönland und lag heute früh mit seinem Kern bei den Shetland-Inseln. Er wird über die Nordsee und Südskandinavien hinweg ins Baltikum ziehen und sich dabei rasch verstärken. Sein Sturmfeld greift von Norden und Nordwesten her auf Deutschland über und ein vorläufiger Höhepunkt wird für den Nordwesten heute Abend erwartet. Morgen liegt sein Wirkungsschwerpunkt dann im Nordosten.

Dabei sind heute von Nord nach Süd ausgreifend Sturmböen von 8 bis 9 Bft aus westlichen Richtungen bis in tiefe Lagen sehr wahrscheinlich. In der Nordhälfte treten schwere Sturmböen von 10 Bft und orkanartige Böen von 11 Bft auf. An der Küste, im unmittelbar angrenzenden Binnenland, in Schleswig-Holstein sowie im höheren Bergland sind Böen von 11 bis 12 Bft wahrscheinlich und Extrema von mehr als 140 km/h möglich.

Die Sturmlage dauert bis weit in den Freitag hinein, darüber hinaus erfolgt ab Donnerstagabend von Norden her Zufuhr arktischer Polarluft mit bis in tiefe Lagen sinkende Schneefallgrenzen. In den Mittelgebirgen sowie in den Alpen sind bis Freitagfrüh z.T. um 10 cm Neuschnee möglich und Schneeverwehungen wahrscheinlich.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.12.2013

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