16
Dec
2013

Frau Holle auf Abwegen - Wo steckt der Winter in Europa?

Die Wetterlage in Europa zeigte sich in den letzten Tagen sehr beständig. Ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet über großen Teilen Südwest- und Westeuropas sowie dem mitteleuropäischen Raum sorgt und sorgte vielfach für neblig trübes bis graues Dezemberwetter. Nur selten, bevorzugt in den Bergen, zeigte sich die Sonne. Was es mit winterlichen Hochs auf sich hat, können Sie gerne auch noch mal im Thema des Tages vom 11.12.2013 nachlesen. Was aber den Winter mit Schnee und Kälte betrifft, so müssen wir uns derzeit in anderen Regionen von Europa umschauen.

Durch das starke Hochdruckgebiet werden die Tiefs auf dem Atlantik gezwungen, auf eine nördliche Bahn auszuweichen. Dabei verlagern sie sich über Skandinavien hinweg nach Osten. Vereinzelt werden die Tiefs auch um das Hoch herum wieder nach Süden geführt. So geschehen zum Ende letzter Woche und am Wochenende, wo sich ein Tief über Russland hinweg bis ins östliche Mittelmeer erstreckte. Mit einer mäßigen nördlichen Strömung wurde sehr kalte sibirische Luft weit nach Süden transportiert. Sie führte vom Schwarzen Meer bis nach Israel zu einem erheblichen Wintereinbruch mit Schnee und Eis. In weiten Teilen der Türkei und Syrien sowie von Jordanien, Zypern und Israel konnte sich zumindest vorübergehend eine Schneedecke ausbilden. Sogar in Ägypten wurden Schneefälle gemeldet.

Was für viele Winterfans in Deutschland und Mitteleuropa, insbesondere jetzt in der Vorweihnachtszeit, ein Segen wäre, sorgte im Nahen Osten für Chaos. Die Behörden dort sprechen von dem heftigsten Wintereinbruch seit Jahrzehnten. In Israel waren zahlreiche Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten. Viele Straßen waren durch die heftigen Schnee- und Regenfälle unpassierbar. Auch der Flugverkehr kam teilweise zum Erliegen. Insgesamt gab es bis Sonntagmorgen innerhalb von 72 Stunden zwischen 5 und 30 l/qm, in höheren Lagen teils auch über 50 l/qm Niederschlag, der bei Höchsttemperaturen von nur wenig über 0 Grad teils bis in tiefe Lagen als Schnee fiel.

Weitere nennenswerte flächendeckende Schneemengen sind derzeit nur noch in Skandinavien sowie in Russland, Weißrussland und der Ukraine zu finden. Auch diese Regionen lagen auf der kalten Nord- bzw. Ostseite des Hochs. In Mitteleuropa muss man schon hoch hinaus um die weiße feste Phase zu sehen. Lediglich oberhalb von etwa 800 bis 900 m liegt meist noch etwas Schnee.

Und auch in den nächsten Tagen ist in Deutschland kein Winterwetter in Sicht. Zwar beginnt das Hoch über Mitteleuropa langsam zu schwächeln, sodass die Tiefdruckgebiete zunehmend wieder an Einfluss auf das Wetter in Deutschland gewinnen. Jedoch würde sich in diesem Fall wohl eine kräftige Westwetterlage mit stürmischem Wind und relativ milden Temperaturen einstellen. Schnee würde dann nur in den höchsten Lagen des Berglandes fallen.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.12.2013

© Deutscher Wetterdienst