18
Dec
2013

Zyklonale Südwestlage

Derzeit dominiert eine "zyklonale Südwestlage" unser Wetter (wiss. Abk. SWz). Sie zählt zu den gemischten Zirkulationsformen, d.h. die zonale, also in West-Ost-Richtung verlaufende Strömungskomponente und der in Süd-Nord-Richtung orientierte, meridionale Anteil, sind etwa gleich groß. Dabei gelangt zwischen einer Zone hohen Luftdruckes, die sich von der Iberischen Halbinsel bis nach Russland erstreckt, und einem Tiefdruckkomplex über dem Seegebiet zwischen Neufundland und Island mit südwestlicher Strömung relativ milde Meeresluft nach Mitteleuropa.

Der Hochdruckeinfluss sorgte gestern vor allem in der Südosthälfte Deutschlands noch vielerorts für Sonnenschein und einen sternenklaren Nachthimmel, während im Nordwesten Tiefausläufer viele Wolken heranführten. Folglich stieg die Temperatur am Tage auf Höchstwerte zwischen 7 °C im Norden und Westen sowie auf bis zu 16 °C in Süddeutschland. Die nächtlichen Tiefsttemperaturen lagen heute früh in der Nordwesthälfte Deutschlands meist zwischen 5 und 0 °C, in der Südosthälfte herrschte überwiegend leichter Frost von -1 bis -6 °C.

Auch innerhalb des Tiefdruckkomplexes geschieht Interessantes. Das aktuell über Island liegende Tiefdruckgebiet (Kerndruck kleiner 950 hPa) wandert unter Abschwächung bis heute Abend zur Ostküste Grönlands. Sein Randtief zieht bis morgen Mittag vom mittleren Nordatlantik nach Island und verstärkt sich dabei rasch auf einen Kerndruck von ca. 945 hPa. Den Anrainern beschert es Orkanböen (Stärke 12 Bft), bei uns in Deutschland bringt Sturmtief BERND an der Nordsee und im höheren Bergland "nur" Sturmböen (Stärke 9 Bft).

Südwestlagen sind typisch für das Klima Mitteleuropas. In ihrer zyklonalen Ausprägung, also wenn Frontensysteme in die Strömung eingelagert sind, bewirken sie milde Winter mit Tauwetter bis in die Hochlagen der Mittelgebirge, z.T. lang andauernde, ergiebige Regenfälle und lebhafte bis stürmische Südwestwinde. Im Sommerhalbjahr sorgen sie für unbeständiges, mäßig warmes Wetter mit teils gewittrigen Regenfällen. Grafische Darstellungen in Form von Boden- und Höhenwetterkarten finden Sie im Internetangebot des Deutschen Wetterdienstes.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.12.2013

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