19
Dec
2013

Der Atlantik schmeißt den Motor an

In den vergangen Tagen ist es doch deutlich ruhiger geworden. Statt Wind standen vor allem Nebel und kalte Nächte auf dem Programm. Doch der Atlantik hat nur Kraft gesammelt und greift nun mit neuer Stärke an. Zu spüren bekommen haben das zunächst vor allem die Bewohner Schottlands und der Shetlandinseln. Dort hat Tief Bernd mit einem Kerndruck von 943 hPa (!) für eine unruhige Nacht gesorgt, mit Böen die teils Orkanstärke hatten. Das sind Windgeschwindigkeiten die verbreitet im Bereich von 120 km/h lagen. Insbesondere den Aufenthalt in den schottischen Highlands galt es zu vermeiden. So meldete die Station Bealach auf 773 m Höhe ganze 180 km/h und auch Aonach auf 1130 m stand dem mit 176 km/h in nichts nach.

In Deutschland geht es da im Moment noch deutlich verhaltener zu. Stürmische Böen oder Sturmböen gibt es allenfalls im höheren Bergland sowie an der Nordseeküste. Einzig der exponierte Brocken sticht wieder einmal heraus. Dort gibt es einzelne orkanartige Böen. Der Rest des Landes bemerkt Bernd nur durch ein Regengebiet. Dieses gehört zu einer Kaltfront, die Deutschland von West nach Ost überquert, nur die Gebiete südlich der Donau bekommen davon noch nicht so viel mit. In Franken und der Oberpfalz sowie allgemein im höheren Bergland der ostdeutschen Mittelgebirge liegt am Boden noch Kaltluft und die Belagstemperaturen sind zum Teil negativ. Die Folge ist gebietsweise Glätte infolge gefrierenden Regens.

Aber zurück zum Wind ... steht Deutschland in nächster Zeit etwa auch ein neuerliches kräftiges Sturmereignis bevor?

Bis zum Weihnachtsfest ändert sich erst einmal noch nicht soviel. Das steuernde Tief verbleibt zunächst bei Island und wird immer wieder regeneriert. Deutschland verbleibt dabei auf seiner Vorderseite. Mit dem Wissen, dass sich Tiefdruckgebiete immer entgegen dem Uhrzeigersinn drehen, kann man schlussfolgern, dass wir in einer südwestlichen Grundströmung verbleiben und damit auch weiterhin unter dem Zustrom milder Luftmassen. Wer also immer noch auf weiße Weihnachten hofft, dem kann endgültig versichert werden, dass es diese in diesem Jahr definitiv nicht geben wird. Gerne kann man sich aber im Netz ein paar Bilder oder Videos aus dem Jahr 2010 anschauen, als es pünktlich zum Fest in vielen Teilen des Landes lang anhaltend und ergiebig geschneit hat.

Der Sturm bleibt zunächst auf die höher gelegenen Gebiete und das Küstenumfeld beschränkt. Im Flachland bleibt es zumeist bei starken bis stürmischen Böen, also 55 bis 70 km/h. Der Regen ist dabei unser täglicher Begleiter. Immer wieder ziehen Regengebiete durch, von denen nur der Südosten noch verschont bleibt.

Am 24.Dezember kommt man im Süden und Osten wohl noch trocken zur Kirche und zurück, weiter nach Westen und Norden kann man hingegen auch mal nass werden. Das Ganze bei in Böen gebietsweise starkem bis stürmischem Wind. Mit einer Kerze kann man also wohl eher nicht nach Hause gehen. Die Ausnahme bildet das süddeutsche Flachland, wo der Wind deutlich schwächer sein wird.

Auch die Weihnachtsfeiertage sehen ziemlich wechselhaft aus. Immer wieder regnet es, zum Teil auch kräftig und ergiebig. Und was ist nun mit dem Wind? Da haben uns die Modelle in den vergangenen Tagen doch so einige Horrorlösungen angeboten. Demnach war selbst ein Orkan über die Feiertage nicht ausgeschlossen. Die neusten Modellösungen sind da doch deutlich zurückhaltender. Zwar erwarten wir durchaus stürmischen Wind, der bei den Verdauungsspaziergängen unangenehm in das Gesicht blasen wird, der richtig heftige Sturm ist aber zunächst nicht mehr auf der Wetterkarte.

Vorsicht ist aber bekanntlich die Mutter der Porzellankiste und bei der derzeitigen Großwetterlage sind Prognosen über so einen langen Zeitraum noch mit größeren Unsicherheiten behaftet. Eine kräftigere Windentwicklung ist also durchaus noch möglich und die Vorhersagen müssen aufmerksam beobachtet werden. Und das werden wir die nächsten Tage auch machen und Ihnen sofort Bescheid geben, falls sich etwas Stärkeres anbahnt.

Bis dahin gilt: Weder Schnee noch Eis sind der Begleiter über das Weihnachtsfest. Stattdessen sorgen Regen und Wind für ungemütliches Schmuddelwetter

Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.12.2013

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