20
Dec
2013

Windiger Winteranfang

Meteorologischer Winterbeginn war bekanntlich bereits am 1. Dezember. Am morgigen Sonnabend, dem 21. Dezember 2013, um 18:11 Uhr MEZ, erreicht die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn durch den Tierkreis (Ekliptik) ihren südlichsten Punkt gegenüber dem Himmelsäquator ("Winterpunkt"). Dann ist Sonnenwende bzw. Astronomischer Winterbeginn auf der Nordhalbkugel. Die Sonne hat mit ca. -23.5° ihre größte südliche Deklination und steht an diesem Tage mittags senkrecht über dem Wendekreis des Steinbocks. Dort, auf der Südhalbkugel, ist Sommeranfang.

Der Winterpunkt befindet sich derzeit im Sternbild Schütze. Wegen der durch die Kreiselbewegung des Erdkörpers hervorgerufenen Präzession der Erdachse wandert er im Laufe von ca. 25800 Jahren einmal durch den gesamten Tierkreis. So lag er während der Antike tatsächlich noch im Sternbild des Steinbocks. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung "Wendekreis des Steinbocks" für den südlichen Wendekreis. In den nächsten 300 Jahren wird sich der Winterpunkt ins Sternbild Schlangenträger verschieben.

Auf der Nordhalbkugel herrschen morgen der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres, weil der größte Teil der täglichen Sonnenbahn unterhalb des Horizontes verläuft. In Berlin (52°31' nördl. Breite, 13°24' östl. Länge) geht die Sonne um 08:13 Uhr auf und um 15:33 Uhr unter, der lichte Tag dauert also 7 h und 20 min und die Sonne erreicht mit ca. 16.5° ihre kleinste jährliche Mittagshöhe über dem Horizont. Am nördlichen Polarkreis gibt es zur Wintersonnenwende einen Tag ohne Sonnenaufgang, weiter polwärts, in der Zone ewigen Eises, herrscht bereits Polarnacht.

Wenig "winterlich", zumindest im klassischen Sinne, gibt sich indes unser mitteleuropäisches Wetter in diesen Tagen. Wahrscheinlich hat es sich bereits herumgesprochen: Zu den Feiertagen fehlt von Pulverschnee und Sonnenschein jede Spur, "Weiße Weihnachten" gibt es wohl nur auf dem "Mont Blanc".

Stattdessen macht die Atmosphäre wieder viel Wind: Am Heiligen Abend und am 1. Weihnachtstag sind an den Küsten und auf den Bergen generell stürmische Böen oder Sturmböen wahrscheinlich. Auch im westlichen Binnenland bläst der südliche bis südwestliche Wind in Böen stürmisch. An der Nordsee und auf höheren Bergen sind sogar schwere Sturmböen oder orkanartige Böen möglich. Später ist auch die Entwicklung eines schweren Sturms nicht ganz ausgeschlossen. Aber auch das gehört zum deutschen Winter. Man erinnere sich nur an LOTHAR, den "Weihnachtsorkan" des Jahres 1999.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.12.2013

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